Monatsspruch Januar 2012

"Weise mir, HERR, deinen Weg; ich will ihn gehen in Treue zu dir."

Psalm 86,11



Wissen Sie, wohin Sie wollen?!

Der berühmte Jurist Oliver Wendell saß einmal im Zug und konnte seine Fahrkarte nicht finden.
Der Schaffner schaute eine Weile zu, wie Holmes mit wachsendem Unbehagen seine Taschen durchsuchte, und sagte dann höflich: "Es ist schon gut, Mr. Holmes. Ich glaube ihnen, dass sie eine Fahrkarte gelöst haben. Ich werde doch nicht ausgerechnet SIE als Schwarzfahrer verdächtigen."
Holmes schaute den Schaffner durchdringend an und entgegnete: "Junger Mann, das ist überhaupt nicht mein Problem. Ich suche meine Fahrkarte nur, weil ich vergessen habe, wohin ich überhaupt will!"

Wissen Sie, wohin Sie wollen?!
Wir stehen alle am Jahresanfang - und auch wenn es viele schon aufgegeben haben, sich gute Vorsätze zu machen, bewegt uns doch die Frage: "Wohin geht für uns die Reise in diesem Jahr?!"
"Es wird kein einfaches Jahr" - so hört man hier und dort. Und glaubt man den Meinungsmachern, dann wird uns dieses Jahr auch an Stellen und in Situationen bringen, die wir uns SO nicht ausgesucht hätten.
Aber - wissen Sie eigentlich, wo Sie SELBST hin wollen?!

Nun - sicher haben sich manche auch Ziele für dieses Jahr gesteckt:
Ein Haus wird gebaut. Die Firma soll expandieren. Vielleicht steht das Urlaubsziel schon fest. Eine größere Anschaffung ist geplant. Familiäre Veränderungen stehen an. Ein Studium wird abgeschlossen. Ein nächster Schritt im Leben soll folgen. Vielleicht aber auch "nur", dass man endlich wieder Arbeit findet. Das Leben neu meistern. Nach Krankheitszeit wieder "auf die Beine kommen".
Gute Absichten, auf die wir unser Leben ausrichten. Und wer diese Ziele erreicht, darf sich glücklich schätzen. Aber was DANN?! Wo geht´s danach lang?! Wer hat den Überblick?!

Da ist so ein Navi im Auto schon eine tolle Sache.
Vor dem Start eben noch das Ziel eingeben … und los geht`s. Von da an lotst uns eine freundliche Stimme durch den Verkehr, schafft es, uns an Staus vorbeizuführen, bis wir schließlich hören: "Sie haben ihr Ziel erreicht!"
Selbst die Meldungen, dass Autofahrer von ihren Navi`s in Abhänge, unpassierbare Wege und Flüsse gelotst wurden, schreckt tausende Andere nicht davon ab, sich diesen Geräten anzuvertrauen.
Weil wir längst den Überblick über das Straßennetz verloren haben, bauen wir darauf, sicher "von oben" her auf unseren Wegen gelotst zu werden.
Doch das Ganze hat ein Problem: Ohne Zielvorgabe wird uns keine Stimme sagen, wo es langgeht! Das Navi wird uns nicht führen können, wenn wir ihm nicht vorher sagen, wohin!
Wissen Sie, wohin Sie wollen?!

"Weise mir, HERR, deinen Weg; ich will ihn gehen in Treue zu dir."
David, der diese Worte schrieb, hatte sicher auch eigene Pläne und Ziele. Und als König war er von Beratern umgeben, die wiederum IHRE Vorschläge und Empfehlungen machten.
Er bat Gott also nicht um Wegweisung, weil er gerade keine anderen Ideen hatte. Sondern aus einem ganz anderen Grund: Er wusste, dass Gott den Überblick hat - über diese Welt, über die Geschichte, über sein Leben. Er hatte erlebt, dass Gott es gut mit ihm meint - und gute Absichten hat. Er hatte die Erfahrung gemacht, dass es gut ist, Gott zu vertrauen - selbst wenn ihm Riesen, eifersüchtige Rivalen oder die Folgen aus eigenen, falschen Entscheidungen scheinbar den Weg verbauten.

Als junger Mensch hatte auch ich Träume und klare Vorstellungen, wie MEIN Leben verlaufen sollte.
Gleichzeitig hatte ich aber auch Sorge, dass mich MEINE Pläne vom Leben in Sackgassen führen könnten. Wo ich trotz allem Erreichten dann das Gefühl haben würde, noch nicht das Ziel meines Lebens erreicht zu haben.
In dieser Zeit fing ich an, Gott - den ich bis dahin schon aus vielen Geschichten der Bibel nur "vom Hörensagen" kannte - als liebevollen Vater, umsorgenden Vertrauten und opferbereiten Retter zu entdecken. Und ich wagte es, ähnlich wie David zu sagen: Gott, was hast DU mit mir vor?! Ich bin bereit, zu gehen!
Seitdem ist mein Leben an vielen Stellen anders verlaufen, als ich es mir früher vorgestellt hätte.
Und es fiel mir sicher nicht immer leicht, mein "Ja" zu Gottes Wegen zu finden. Dennoch weiß ich heute, dass sich bisher jeder Schritt, den ich in Gottes Spur gefolgt bin, gelohnt hat!
Weil ER mich noch am Besten kennt, weiß ER auch am Besten, worauf mein Leben zielt!

Wissen Sie, wohin Sie wollen?!
Ich will Sie ermutigen, es David nachzumachen: "Weise mir, HERR, deinen Weg; ich will ihn gehen in Treue zu dir." Für mich persönlich ist klar, dass ich in diesem Jahr so unterwegs sein will!

Ihr Andreas Seidlitz.

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"Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen (ÖAB)"